Wir sind das Bodenpersonal des vahşi kapitalizm. Eine Theorieillustrierte
zusammen mit Michael Willenbücher. Dresden Postplatz, 2004.

[DE] " ... der Kampf für ein Recht auf Legalisierung kann keine Einpunktkampagne mit Stichtagsregelung für Sans Papiers sein, sondern setzt an den Lebensverhältnissen an, in denen MigrantInnen ohnehin schon für individuelle oder kollektive Rechte kämpfen und sie sich nehmen: Für das Bleiberecht, für free movement oder bessere Löhne, für das Wahlrecht, gegen Abschiebung, für Greencards für SexarbeiterInnen, für Selbstverteidigung oder gegen die Ausbeutung innerhalb und außerhalb der Communities. Generalstreik des Bodenpersonals!"
[vahşi, türk.: unbeherrscht, grausam, wild]

Diese Theorieillustrierte entstand aus dem Kampf gegen Illegalisierung und für ein Recht auf Rechte, im Kontext der Kampagne "Recht auf Legalisierung", die 2003 ins Leben gerufen wurde und aus der u.a. die Performance "Dönerstress" im Prater der Volksbühne hervorgegangen ost. Auf der Webseite (www.rechtauflegaliserung.de) ist zu lesen:

"Während heute in Paris die zweite Generation der Sans Papiers für ihre Rechte auf die Strasse geht, bleibt in Deutschland die Kriminalisierung von MigrantInnen mit irregulärem Aufenthalt weitgehend unwidersprochen. Kanak Attak, Flüchtlinsinitiative Brandenburg, Respect Netzwerk, Medizinische Flüchtlingshilfe, Frauen-Lesben-Bündnis und andere haben letzten Sommer eine breite Mobilisierung für ein Recht auf Legalisierung begonnen. Anders als in Frankreich, wo es eine Bewegung der Papierlosen war, spricht unser Kampf alle hier lebenden Leute ohne deutschen Pass an. Der Prozess der Entrechtung, mit dem Leute "illegal" gemacht werden, findet nicht nur an der Grenze statt, sondern verläuft quer durch den kanakischen Alltag. Statt länger schlechte Gesetze zu verteidigen, kämpfen wir offensiv um Rechte. Rechte, die es noch nicht gibt, die wir uns aber längst genommen haben Den bereits 2002 entwickelten Fokus auf die Illegalisierung von MigrantInnen haben wir seither zum Dreh- und Angelpunkt unserer Arbeit gemacht. Zusammen mit Respect Netzwerk, Mujeres Sin Rostro, FrauenLesbenBündnis "Papiere für Alle", Büro für medizinische Flüchtlingshilfe, Flüchtlingsinitiative Brandenburg, Elixira, Hydra und anderen haben wir die Gesellschaft für Legalisierung gegründet, die mit einer Serie von Veranstaltungen die Republik mobilisiert und sich auf europäischer Ebene vernetzt.

Aus der Gesellschaftserklärung: "Ganz gewöhnliche und ganz ungewöhnliche gesellschaftliche Kreise sind gefragt, laute und stille GesellschafterInnen der Gesellschaft für Legalisierung zu werden. Wir schreiben Texte, produzieren Musik, zeigen Filme, performen auf der Bühne und organisieren direkte Aktionen in der Stadt. Eigene Bilder werden dem kriminalisierten Thema eine neue Performance geben. Die Mobilisierung setzt bei den alltäglichen Kämpfen von MigrantInnen und Flüchtlingen vor Ort an. Sie bietet die Möglichkeit, Stellung zu nehmen und mit eigenen Ideen neue Geschäftsfelder der Gesellschaft für Legalisierung zu erschließen und neue Vertretungen zu gründen. Die Gesellschaft für Legalisierung schließt keine förmlichen Gesellschaftsverträge ab, sie spricht eine Einladung zur Teilnahme aus. Ihre GesellschafterInnen ermächtigen sich selbst, dazu zu gehören und legalisierungsfördernde Maßnahmen durchzuführen"

Im Oktober 2003 hat die Gesellschaft für Legalisierung den ersten bundesweiten ver.di Kongress zu solch einem Ort der Legalisierung gemacht: ArbeitnehmerInnen ohne Aufenthaltspapiere haben seither explizit die Möglichkeit sich gewerkschaftlich zu organisieren. Am selben Tag wurden weitere Aktionen an zentralen Orten gemacht: an der Charite zur Gesundheitsversorgung von Menschen ohne Papiere, am Checkpoint Charlie zu den Grenzüberschreitungen, die auch Schengen widerstehen (Autonomie der Migration!), am Alexanderplatz zu alltäglichen Legalisierungsstrategien und zu Baustellenkämpfen gegen Lohnbetrug. Alle diese Themen wurden am Abend dann in der Performance 'Le Show Papers Royale' zwischen Plastikblumen und Melonenbowle zusammengeführt.

Wir sind das Bodenpersonal des vahşi kapitalizm. Eine Theorieillustrierte