Bromance
Multimediale Tischrede im Rahmen der Veranstaltung "80 Jahre Godard", Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin, 03. Dezember 2010

[DE] Anfang der 90er bringt das Skateboardmagazin Big Brother den Begriff der "Bromance" ins Spiel. Es handelt sich um ein Portmanteau aus "Bro", Bruder und "Romance", Romanze, mit dem ein spezielles Subgenre der heterosexuellen Männerbeziehung beschrieben wird. Skate- oder Surfbuddies, die gerne miteinander rumhängen. Dave Carnies Magazin wird später von Larry Flynts Hustler Konglomerat aufgekauft. 2010 greift die Stummfilmexpertin Vaginal Davis den Begriff wieder auf und schreibt: "Godard is the only director who engenders bromantic lust in the hearts and loins of male film critics, scholars and thespians alike."

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Das ist D's Geschichte. Er erzählt von K. und ihrem Hauptseminar zu Godard. Auf die Frage, warum gerade diese Wahl, antwortet sie: "the more I thought about it, the more I realized Godard is about nothing but heterosexuality. He is a theorist of heterosexuality. He IS heterosexuality." Für K. ist er ein Verbündeter in dieser Sache. D. fragt seine Studenten in seinen eigenen Seminaren immer, warum Godard so traurig sei. So sad. Das habe er in den Memoiren von W. gelesen, kann aber auch die Biographie eines anderen dieser Jungsfetische gewesen sein. Auf jeden Fall habe W., oder eben ein anderer der Jungs mit Godard ein Taxi geteilt, den er dann als "the saddest person I ever met" beschrieben habe. D. meint, das sei wegen dem prison house of language und der FAUXtographie, wie das bei Weekend heißt.

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A. meint, dass wenn Chantal Akerman ein Mann wäre, dann hätte sie diese ganzen Fanclubs, aber die Gründe wären auf jeden Fall die besseren. Aber dass Godard seine guten Momente gehabt habe, wenn auch nicht immer als Wahrheit (A. schreibt: Leben) 24 mal pro Sekunde. Vermutlich nicht überraschend, meint sie, dass Laura Mulvey, die alte aufrechte Feministin, ihr letztes Buch Death 24 times a Second genannt hat. Das kommt als Reaktion vielleicht mit 30 Jahren Verzögerung, aber eben auch typisch für ihre Kontrahaltung, ihre Widerspenstigkeit. Sie fragt, ob ich noch auf dem Schirm habe, dass Mulvey den Hollywood-Blick mit männlichem Sehvergnügen gleichgesetzt hat, und ihre Antwort darauf gewesen sei, dass der Feminismus also eine Anti-Pleasure Route nehmen müsse. Wenn also Kino für Godard das Leben ist (ich wende ein, dass sie hier etwas verwechselt, das Leben und die Wahrheit, aber das ist ihr egal), dann muss es für Mulvey logischerweise der Tod sein, oder nicht? meint A.

Mit: A Weekend At The Beach With Jean Luc Godard (Ira Schneider USA 1970), Liebst Du Mich (Song der performativen Band "Larry Peacock"), Jacques Derrida und seiner Mutter, Monique Wittigs "Straight Mind", Kaja Silverman & Harun Farocki, den Filmen und Texten von Constanze Ruhm (besonders Crash Site / My_Never_Ending_Burial_Plot, A 2010), Gilles Deleuzes Zombies und einem Haiku von M.

Videodokumentation der "Gratulationen" von Jan Peters, Detlef Kuhlbrodt, Nanna Heidenreich, Peter Welz, Simon Frisch, Claus Löser, Volker Pantenburg und Klaus Theweleit.